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Rosa – als das Heilige profan wurde

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Keine andere Farbe hat über die Jahrhunderte je eine grössere Bedeutungsverschiebung erfahren als Rosa; in unserem Kulturraum hat sich deren Bedeutung sogar regelrecht umgekehrt und liest sich als wechselvolle Geschichte der Emanzipation der Geschlechter.

Rot ist die Farbe des Blutes. Sie wird mit Aktivität und Liebe assoziiert. Könige tragen Rot, um ihre Macht auszudrücken. Die roten Uniformen der britischen Soldaten im 17. Jahrhundert symbolisieren Stärke und sollten den Feind einschüchtern.

Weiss ist die Farbe der Reinheit, Unschuld und Heiligkeit.

Mischt man nun das aktive Rot mit dem unschuldigen Weiss, erhält man Rosa. In frühen Malereien steht Rot symbolisch für Jesus Christus und das sphärischere Rosa für den Heiligen Geist. Und junge Herrscher oder solche, die es werden wollen, zeigen ihren Machtanspruch, indem sie sich rosa kleiden.

Farbige Machtdemonstration
Jeanne-Antoinette Poisson, die Mätresse von Ludwig XV., eignet sich im 18. Jahrhundert diesen Farbcode an. Die Trendsetterin erkürt Rosa zu ihrer Lieblingsfarbe und verschafft sich als Marquise de Pompadour grossen Einfluss am Hof. Durch sie wird Rosa für kurze Zeit zur Farbe der Emanzipation.

Trendsetterin: Madame de Pompadour in Pink auf einem Opernplakat von 1933 und gemalt (CC BY-SA 4.0 Wikimedia Commons)

 

Madame de Pompadour findet viele Nacheiferinnen. Das Tragen rosafarbener Kleider demonstriert Liebreiz bei gleichzeitigem weiblichem Selbstbewusstsein. Als die Farbe schliesslich günstig hergestellt werden kann, beginnt ihr sozialer Abstieg. Rosa wird zur Symbolfarbe der Femme fatale, die in Varietés tanzt oder sich in einschlägigen Etablissements prostituiert.

Trotzdem setzt sich Rosa noch nicht als weiblich konnotiert durch. 1918 schreibt das Ladie’s Home Journal: «Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht.»1

In den 1930er-Jahren macht die Designerin Elsa Schiaparelli Shocking Pink zum letzten Schrei der High-Society. Der Daily Telegraph berichtet 1939 von einem regelrechten «Rosa-Wahn».

Elsa Schiaparelli sorgt mit Shocking Pink für einen erneuten Aufschwung der Farbe (CC BY-SA 4.0 Wikimedia Commons/is Joules).

 

Neuinterpretation und Trendwende
In der Nachkriegszeit treibt der Wunsch nach Ordnung rosa Blüten. First Lady Mamie Eisenhower zeigt eine Vorliebe für Pink. Nicht nur ihre Kleider, Schuhe und Handtaschen sind rosa, sondern auch die Einrichtung ihres Hauses. Im «Pink Palace» steht sie am Herd und wird zum Vorbild einer ganzen Generation. Und sie sorgt für eine Neuinterpretation der Farbe. «Mamie Pink» wird zum Synonym für die Rückkehr zum traditionellen Rollenverständnis. Mit Mamie Eisenhowers Manie erlebt die Farbe einen Rollentausch. 1959 hält Barbie Einzug in die Mädchenzimmer und zementiert das neue Geschlechterklischee.

Rosa in der Architektur
Der mexikanische Architekt Luis Ramiro Barragán Morfín ist bekannt für seine schlichten Gebäude mit Wänden und Räumen ganz in Pink. Auf seinen Europareisen Anfang der 1920er-Jahre lernt er die Modernismusbewegung kennen und lässt sich von Le Corbusier und Ferdinand Bac inspirieren, ohne die eigene Herkunft zu verleugnen. Im Gegenteil: Die Verbindung aus Moderne und traditionellen Bauelementen und Farben verleihen seiner Architektur einen unverwechselbaren Charakter, für den er 1980 als erster lateinamerikanischer Architekt den Pritzker-Preis gewinnt.

Architektur mit Lokalkolorit: Monolithische Hauswand in Pink von Luis Barragán (Unsplash/Julie Kwak)

 

Er stellt Wände in Pink, Rot und Violett monolithisch nebeneinander; nicht unüblich in Mexiko, wo in den einfachen Wohngegenden Häuserreihen ein buntes Durcheinander von Farben bilden, ganz nach dem subjektiven Geschmack eines und einer jeden. Pink in verschiedenen Schattierungen wird zum Markenzeichen des Autodidakten. Als Einfassung begrünter Innenhöfe erhält die Wandfarbe etwas Entrücktes und schafft einen Ort der Kontemplation. In der minimalistischen Architektur Barragáns trifft Leere auf Stille und Licht auf Farbe. Sie spiegelt seine Spiritualität und Religiosität wider.

Hightech in Pink
Der postmoderne Ausbruch zeigt sich als «Anything Goes» auch in der architektonischen Farbgebung. Grell bemalte Stahlbauteile an Waschbetonfassaden fallen auf, provozieren und prägen das Stadtbild dermassen, dass sie manche Gebäude zu wahren Landmarken machen.

Besonders der Umlauftank der Technischen Universität Berlin aus den frühen 1970er-Jahren ist nicht mehr aus der deutschen Hauptstadt wegzudenken. Aus dem funktionellen Klotzbau mäandern überdimensionale Röhren in strahlendem Pink heraus. In der weltweit grössten Forschungseinrichtung zur Strömungsmessung markieren sie den Wasserkreislauf. Mittlerweile spriessen in Berlin überall dort rosa Röhren aus den Böden, wo Grundwasser aus einer Baustelle in die Spree geleitet wird – lustvoll inspiriert von Ludwig Leos fröhlich-frechem Zweckbau.

Zweckdienlich und kultig: Rosa Abwasserleitungen in Berlin (Unsplash/Morgane le Breton)

 

In der Schweiz bietet Rosa seit Anfang der 2000er-Jahre viel Stoff für Diskussionen. Da der Farbe eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird, beginnt ausgehend von den USA ihr Siegeszug durch Schweizer Gefängnisse. Dabei soll ihre entkräftende und beruhigende Wirkung auf methodischen Mängeln in der Testanordnung basieren. Weitere Experimente, die in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies durchgeführt wurden, bringen zum Teil sogar gegenteilige Erkenntnisse hervor: Weil Rosa mit Geschlechterstereotypen assoziiert wird, fühlen sich Häftlinge mitunter von bonbonfarbigen Zellen derart provoziert, dass sie erst recht aggressiv werden.

Rosa in der Innenarchitektur

Rosa kommt und geht. In den Blogs der Interiordesigner und den Lifestylemagazinen lassen sich zuverlässig rosa Trendwellen beobachten; zu Recht: Rosa setzt Räume in Szene wie keine andere Farbe. Ein Hauch Rosa lässt die Wand lebendig werden, ein knallpinker Raum sorgt für eine anregende Atmosphäre. Dazwischen liegen ganze Welten, die mit Rosa gestaltet werden können.

Heute soll die Industrie 129 Rosatöne kennen. Le Corbusier nahm genau drei in seine Palette auf, nämlich das zarte, erdige Rosa Nr. 32091 rose pâle, das dynamische 32102 rose clair und das leuchtende 4320C rose vif.

Die Rollläden von Regazzi gibt es jetzt in der Polychromie Architecturale von Le Corbusier – auf Wunsch auch in Rosa. Denn eines ist sicher: Rosa ist und bleibt ein Statement.

Die Rosatöne aus der Polychromie Architecturale von Le Corbusier

 

Quelle: Rosa – vom Zauber einer Farbe; Björn Vedder; HarperCollins Verlag

1David Byrne/Cabinet Magazin

 

Regazzi ist ein Lizenznehmer von Les Couleurs® Le Corbusier®. Les Couleurs AG ist der weltweit exklusive Lizenzgeber der Polychromie Architecturale – gewährt durch die Fondation Le Corbusier®. Les Couleurs® Le Corbusier® ist eine registrierte Marke der Les Couleurs Suisse AG.